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Keynote-Buehne des Shopware Community Day 2026 in Koeln — SCD26
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Shopware Community Day 2026: Die Keynote im Realitäts-Check — und was sie für Ihren Commerce bedeutet

KI-Traffic auf Shopware-Shops hat sich innerhalb eines Jahres verfünfzehnfacht. Nicht plus 15 Prozent — Faktor 15. Und rund 70 Prozent davon taucht in Standard-Analytics gar nicht erst auf. Wenn Sie diesen Traffic in Ihrem Dashboard nicht sehen, heißt das nicht, dass er nicht da ist. Es heißt, dass Ihre Wettbewerber ihn gerade einsammeln.

Das war die unbequemste Zahl des Shopware Community Day 2026, der gestern mehr als 1.700 Händler, Partner und Entwickler ins Confex nach Köln geholt hat. Wir waren dabei — und haben uns die Keynote noch einmal komplett angesehen, um sie für Sie einzuordnen: Was wurde wirklich angekündigt? Was ist heute nutzbar, was ist Roadmap? Und was sollten Sie als Händler jetzt konkret tun?

Die Kernthese: Commerce wird dual

Co-CEO Sebastian Hamann eröffnete mit einer Frage, die jeder Händler beantworten muss: Wenn Maschinen anfangen zu kaufen — warum sollte dann noch jemand bei Ihnen kaufen?

Seine Antwort: Commerce teilt sich in zwei parallele Realitäten. Auf der einen Seite agentic Commerce — KI-Agenten übernehmen das Rationale: Vergleichen, Optimieren, Beschaffen, die wiederholbare Arbeit. Auf der anderen Seite human-led Commerce — Emotion, Vertrauen, Markenerlebnis. Das, was kein Algorithmus repliziert. Hamanns Formel dafür: „Agents will optimize transactions, but humans will remember experiences."

Bemerkenswert ehrlich war der Rückblick auf den Hype: OpenAI kündigte im Januar eine Transaktionsgebühr von 4 Prozent für ChatGPT-Checkouts an — sechs Wochen später war das Thema pausiert. Hamanns Punkt: Wer aus solchen Schlenkern ableitet, Agentic Commerce sei erledigt, verwechselt die Lautstärke der Schlagzeilen mit der Richtung der Daten. Die Daten zeigen Faktor 15.

Das Leitmotiv des Tages: Grow your way. Automate the work. Elevate the experience.

Das Fundament: 100 % MCP-Abdeckung und UCP-Readiness

Die substanziellste Nachricht der Keynote war kein Produkt, sondern eine Architekturentscheidung. CPTO Mark Stanley kündigte an: Der Shopware-Core ist jetzt zu 100 Prozent über das Model Context Protocol (MCP) ansteuerbar und auf das Universal Commerce Protocol (UCP) vorbereitet — ergänzt um agentenfähige Sales Channels, agents.md-Support und eine neue Shop-CLI.

Kurz übersetzt: MCP macht Ihren Shop für KI-Werkzeuge bedienbar — jede Aktion in der Plattform, vom Produktanlegen bis zur Preisregel, ist für KI-Tools und Agenten zugänglich. UCP macht ihn für KI-Käufer kaufbar — Katalogzugriff, Warenkorb, Checkout für fremde Einkaufs-Agenten. Wer beides unterstützt, ist auf beiden Seiten des agentischen Handels anschlussfähig.

Stanleys wichtigster Satz richtete sich dabei gar nicht an Entwickler: „The model is not your differentiator. Your data is, your context is, your processes are." Die KI-Modelle selbst werden austauschbar. Was zählt, ist, worauf sie zugreifen können — und genau da liegt der Vorteil offener Systeme: Ein Agent, der mit Shopware arbeitet, sieht Preislogik, Rabattregeln und B2B-Workflows. Bei geschlossenen SaaS-Plattformen sieht er nur, was die Plattform freigibt.

Dazu nennt Shopware 60 Prozent schnellere Antwortzeiten und zehnfach schnellere Deployments auf Shopware PaaS. Zur Einordnung: Das sind Herstellerangaben, keine unabhängigen Benchmarks. Die Architekturrichtung — API-first, Open Source, volle Datenhoheit beim Händler — ist aber konsistent seit Shopware 6 und für uns der eigentliche Grund, warum diese Ankündigung Gewicht hat.

Die vier Launches im Überblick

Ankündigung Status Einordnung
MCP-Abdeckung & UCP-Readiness Live im Core Die wichtigste Nachricht des Tages
Shopware Nexus Live, vorerst kostenlos Strategisch der spannendste Launch
Shopware Copilot Live, agentisch mit Freigabeprozess Hochautonome Agenten sind Roadmap
Shopware Payments Live in DE und AT EU und USA angekündigt, ohne Datum
Experience Studio Forschungsvorschau Beobachten, nicht einplanen

Eine verbundene Architektur: Nexus vereint den Kontext, der Commerce Core mit 100 % MCP-Abdeckung und UCP-Readiness, Copilot handelt darauf — dazu Payments und Experience Studio

Die Logik hinter den vier Launches: Nexus vereint den Kontext, der Core stellt ihn Agenten bereit, Copilot handelt darauf — Payments schließt die Transaktion, Experience Studio liefert Marke und Emotion.

Shopware Nexus: Schluss mit dem Integrations-Spaghetti

Die Geschäftslogik eines Händlers liegt im Schnitt in mehr als 15 getrennten Systemen — ERP, PIM, CRM, Fulfillment. Bis zu 52 Prozent des Implementierungsaufwands fließen laut Shopware ins Verkabeln dieser Systeme statt in Differenzierung. Jeder, der eine gewachsene Systemlandschaft betreibt, kennt das: Der Konnektor von 2019, das Skript vom Ex-Dienstleister, der CSV-Import, der nachts hängt.

Nexus ist Shopwares Antwort: eine native, eventgetriebene Integrationsschicht mit standardisierten Konnektoren, automatischem Feld-Mapping und visuellem Flow-Editor. In der Live-Demo wurde eine ERP-Anbindung (Microsoft Dynamics Business Central) in wenigen Minuten zusammengeklickt — inklusive Mapping, Versionierung und Live-Monitoring jedes Laufs. Erste Konnektoren sind verfügbar, wöchentlich kommen neue dazu — als Nächstes unter anderem Pimcore, Akeneo und HubSpot. Nexus ist ab sofort live und für die kommenden Monate kostenlos nutzbar.

Der strategische Kern steht aber zwischen den Zeilen: Nexus ist nicht nur ein Middleware-Ersatz. Es ist die Schicht, in der der Kontext entsteht, den KI-Agenten brauchen. Ein Copilot, der nur Shopdaten sieht, ist ein Spielzeug. Ein Copilot, der Bestände aus dem ERP, Kundenhistorie aus dem CRM und Produktdaten aus dem PIM kennt, kann arbeiten. Was Nexus technisch kann und wo die Grenzen liegen, haben wir bereits ausführlich analysiert: Shopware Nexus: Was die neue Workflow-Plattform kann.

Shopware Copilot: Von der Analyse zur Ausführung

Copilot ist jetzt agentisch — er analysiert nicht mehr nur, er führt aus. In der Demo: eine komplette B2B-Promotion (Mengenrabatt für Nicht-EU-Kunden, neue Mail-Vorlage, Follow-up-Gutschein, Flow-Verknüpfung) per Anweisung in natürlicher Sprache. Zwei Minuten statt einer halben Stunde Klickarbeit über mehrere Admin-Module.

Entscheidend ist das Kontrollmodell, und das hat Shopware erfreulich konservativ angelegt: Human-in-the-Loop als Standard. Copilot erstellt immer erst einen Entwurf, nichts geht ohne Freigabe live, jede Aktion landet in einem Log. Dazu Rollenbeschränkungen und Entity-Whitelisting. Gehostet wird auf europäischen Servern, ohne Datenbewegung ohne Zustimmung. Für Mittelständler mit Datenschutzbeauftragtem ist das keine Fußnote — es ist die Voraussetzung, das Thema überhaupt durch die IT-Freigabe zu bekommen.

Die Roadmap zeigt Richtung hochautonome Agenten, die Risiken und Chancen erkennen, bevor der Händler sie sieht. Heute ist Copilot Handeln auf Abruf. Das ist die richtige Reihenfolge: erst Kontrollmodell, dann Autonomie.

Shopware Payments: Unspektakulär, aber überfällig

Eine native Zahlungsschicht, direkt im Admin aktivierbar, abgewickelt über die regulierte Infrastruktur von PayPal. Auszahlung innerhalb von 24 Stunden, Buy Now Pay Later integriert, Refunds synchronisieren automatisch mit den Bestellungen. Verfügbar ab sofort in Deutschland und Österreich, EU und USA sollen folgen.

Zwei Details verdienen Beachtung. Erstens: kein Lock-in. Stripe, Adyen, Mollie und andere bleiben parallel nutzbar — das unterscheidet den Ansatz von Plattformen, die ihre Payment-Lösung über Strafgebühren faktisch erzwingen. Zweitens der strategische Unterbau: PayPal ist Gründungspartner des Agentic-Payments-Protokolls AP2. Spätestens wenn eine Customer Journey von der Produktfindung bis zur Zahlung ohne menschlichen Klick durchlaufen soll, braucht die Transaktion eine agentenfähige Zahlungsschicht. Genau die wird hier vorbereitet.

Experience Studio: Die richtige Idee, noch im Labor

Per Prompt in Minuten ein funktionsfähiges, emotionales Commerce-Frontend erzeugen — inklusive der echten Pricing- und Commerce-Logik des Shops dahinter. Die Demo (Storytelling-Seite für eine Vater-Tochter-Wandertour statt generischer Produktdetailseite) war beeindruckend. Die strategische Logik ist sauber: Wenn Agenten die effiziente Beschaffung übernehmen, konkurrieren Händler beim Menschen um Emotion und Marke. Shopwares Vision geht bis zu Erlebnissen, die sich in Echtzeit an jeden einzelnen Besucher anpassen.

Aber: Experience Studio ist als Forschungsvorschau gelabelt, und genau so sollten Sie es behandeln. Ausprobieren ja, Projekte darauf planen nein.

Was die Marktdaten für B2B-Entscheider bedeuten

CFOO Joachim Weber lieferte den Datenteil der Keynote — und der hatte es besonders für B2B in sich:

  • 37 Prozent der B2B-Einkäufer nutzen bereits KI-Agenten in der Lieferantenrecherche. Und 95 Prozent der Abschlüsse gehen an einen Anbieter, der auf der Shortlist vom ersten Tag steht. Wer in den KI-Tools nicht auftaucht, ist aus dem Rennen, bevor es beginnt.
  • 75 Prozent des B2B-Volumens laufen noch über EDI — und 92 Prozent dieser Einkäufer planen den Wechsel auf andere Kanäle. Webers These: B2B könnte die Marketplace-Phase überspringen und direkt in agentennative Beschaffung wechseln. Für Händler mit der richtigen Infrastruktur ist das eine Überholspur.
  • In B2C wachsen die Schnellen davon: Temu wurde in 18 Monaten Top-5-Marktplatz in Deutschland, TikTok Shop nach einem Jahr der fünfzehntgrößte Händler. Durchschnittliches Marktwachstum schützt niemanden — entscheidend ist, ob die eigene Infrastruktur schnelle Positionswechsel erlaubt.

Unsere Einordnung: Die Keynote bestätigt das AX-Modell

Was Shopware in Köln gezeigt hat, deckt sich mit dem Rahmen, mit dem wir seit Monaten arbeiten: AX — Agentic Experience ist das Zusammenspiel von drei Ebenen, die alle KI-Agenten als Akteur in Commerce-Prozessen verankern:

  1. AI-Integrated Workflows — KI-Agenten in internen Business-Prozessen, von Order-to-Cash über ERP-Sync bis Pricing. Genau hier setzen Nexus und Copilot an.
  2. Agentic Commerce — KI-Agenten greifen auf E-Commerce-Plattformen zu und kaufen ein. Das adressieren MCP-Abdeckung, UCP-Readiness, die agentenfähigen Sales Channels und die AP2-Anbindung von Payments.
  3. Agentic Customer Experiences — Endkunden interagieren mit KI-Agenten und KI-generierten Erlebnissen. Dahin zielt das Experience Studio.

Die Keynote hat damit etwas Wichtiges bestätigt: Agentic Commerce ist keine Feature-Entscheidung, sondern eine Infrastruktur-Entscheidung. Ab 2027 entscheiden KI-Agenten zunehmend mit, welche Produkte empfohlen und gekauft werden — der Markt für agentengetriebenen Handel wird bis 2030 auf 3 bis 5 Billionen Dollar geschätzt. Shopware liefert die Plattformseite. Ob Ihr Shop, Ihre Daten und Ihre Prozesse darauf vorbereitet sind, ist die andere Hälfte der Gleichung — und die liegt bei Ihnen. Als Mitglied der von Shopware initiierten Agentic Commerce Alliance arbeiten wir an genau dieser Hälfte.

Was Sie jetzt tun sollten — und was nicht

Kein Aktionismus. Sie müssen nicht morgen einen Agentic-Workstream ausrufen. Aber drei Punkte gehören jetzt auf Ihre Agenda:

1. Plattform-Stand prüfen. Die neuen Fähigkeiten sind für die aktuelle Shopware-6-Generation gebaut. Wer auf Shopware 5 oder einer alten 6.x-Linie unterwegs ist, hat jetzt ein konkretes, datierbares Migrationsargument, das über „End of Life" hinausgeht.

2. Datenqualität vor Automatisierung. Ob Copilot im Admin oder ein fremder Einkaufs-Agent via UCP: Gearbeitet wird mit Ihren Produktdaten, Preisen und Beständen. Unvollständige Attribute waren bisher ein Conversion-Problem. Künftig sind sie ein Sichtbarkeitsproblem — schlecht strukturierte Angebote werden von Agenten schlicht nicht ausgewählt.

3. Integrationslandschaft inventarisieren. Wenn Nexus hält, was es verspricht, stellt sich die Frage „Middleware ersetzen oder behalten?" in den nächsten 18 Monaten konkret. Wer heute weiß, welche Systemverbindungen geschäftskritisch, welche fragil und welche verzichtbar sind, entscheidet dann aus einer Position der Stärke.

Wenn Sie nicht sicher sind, wo Ihr Shop auf dieser Landkarte steht: Genau dafür haben wir den Agentic Readiness Check — eine konkrete Einschätzung, wie sichtbar und anschlussfähig Ihr Commerce für KI-Agenten heute ist. Kostenlos und unverbindlich.

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